Mittwoch, 4. Februar 2009
Kaum habe ich am Freitag über Verstaatlichung
auf DIE ZEIT kommentiert, da kommt Herr Steinbrück mit meiner Idee zu einem Verstaatlichungsgesetz mit minimaler
Entschädigung für die Alteigentümer. Mal ehrlich, die HRE hätte man doch gleich sauber in die Insolvenz
laufen lassen können, aber das hatte ich hier ja schon geschrieben. 92 Milliarden Euro Staatsknete steckt schon in
dieser Pleite-Bank. Wir erinnern uns:
Frau Merkel wollte mit lächerlichen 420 Milliarden Euro Staatshilfe für kränkelnde Finanzinstitute auskommen.
Freitag, 5. Dezember 2008
Was macht eigentlich die Bank mit meinem Geld? Nein, ich habe nicht einem Banker den Auftrag erteilt, mein Geld an der
Börse zu verzocken, mir geht es um simple Überweisungen. Wenn ich Freitags um 16:47 Uhr einen Betrag auf das Konto
einer anderen deutschen Bank überweise, wird dieser erst am Mittwoch Nachmittag gutgeschrieben.
Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter, dass ein Bote mit einem Geldsäckelchen losreiten muss, das geht doch alles
digital. Auch wäre mir neu, dass die Rechenzentren am Wochenende keine Aufträge verarbeiten könnten. Es kommt eben
schon was zusammen, wenn man über das Wochenende ein paar hundert Millionen zur freien Nutzung hat. Da sollten sich
einmal die Politiker ... nein, vergesst diese Idee schnell wieder. Hat keinen Sinn.
EDIT_ Komisch, Paypal hat anscheinend mit Wochenenden keine Probleme. Aber dieser Ebay-Dienst ist eben nicht für alle
Transaktionen geeignet, vor allem nicht wenn Treuhandkonten etc. im Spiel sind.
Samstag, 25. Oktober 2008
Ich hätte nie geglaubt dass es einmal so schlimm kommen würde: Ackermann hatte mit seinen Aussagen inhaltlich
völlig Recht und ich nehme ihn vor Mecker-Merkel in Schutz. Er hat nur ausgesprochen, was im Raum schwebt. Die erste
Privatbank, die Gelder aus dem Rettungsfonds bezieht, hat die Arsch-Karte und deshalb will kein Vorstand damit anfangen.
Die Folgen wären ein enormer Vertrauens- und Ansehensverlust. Warum er das ganze noch mit marktradikalen Gesülze
würzen musste, bleibt mir schleierhaft und ist wohl auf der charakterlichen Seite dieses Herrn zu suchen. Gut, seine
andern Aussagen zu Boni-Verzicht etc. waren aus der Sicht eines PRlers schlichtweg dumm. Diesen Berater würde ich
feuern.
Wer auch gefeuert gehört ist die Frau Merkel und ihre Flüsterer, die diesen eben genannten Gedankengang nicht
verarbeiten können. Warum, so würde ich gerne unsere Bundeskanzlerin fragen, warum hat man es nicht so gemacht wie in
den deutlich marktradikaleren Ländern UK und GB: Hier hat sich der Staat querbeet an den großen Banken beteiligt, also
den Vorständen erspart öffentlich die Hosen runter zu lassen. Zumindest in UK haben sich die Vorstände der Regierung
gegenüber sehr dankbar gezeigt und sind sehr viel entgegenkommender als man es erwarten könnte. Wie es in den USA
aussieht, wird die nahe Zukunft zeigen.
Und noch ein Wort zur Forderung der Linken, Ackermann solle hinter Gitter: Rein rechtlich ist Herrn Ackermann (bis
jetzt) nichts nachzusagen, betriebswirtschaftlich auch nicht. Bei der Deutschen Bank lagern nach meinen Informationen
kaum Schrottanleihen. Diesen Giftmüll hat Ackermann (oder der dafür zuständige Vorstand) rechtzeitig entsorgen
lassen. Was man charakterlich vom Lenker der Deutschen Bank hält, steht auf einen anderen Blatt. Wenn das strafbar
wäre ... liebe Frau Merkel ...
Mensch, wenn mir jemand gesagt hätte, ich würde was pro Ackermann schreiben, den hätte ich ganz vorsichtig
an die Stirn gefasst.
Wenn man auf die Geschichte der BayernLB blickt, eines immerhin erst 1972 auf Betreiben der CSU-Regierung
zusammenfunsionierten Institutes, dann ist diese geprägt von Skandalen, CSU-Skandalen. Auf Druck von Franz Josef
Strauß bekam die faktisch bankrotte DDR einen Milliarden-Kredit über die Landesbank ... in der Mega-Petrol-Affaire
pumpte die Landesbank auf Druck von Ministerpräsident Streibel (und wieder besseres Wissen) Millionen-Kredite in ein
betrügerisches Schneeball-System ... 800 Millionen Euro Verlust in 1997 durch Aktiengeschäfte in Singapur ... 80
Millionen Verlust durch Kauf einer wertlosen Bank im gleichen Jahr ... 2002 ist die Kirchgruppe insolvent, an die auf
Druck der Ministerpräsidenten Strauß, Streibl und Stoiber Milliarden ungesicherter Kredite vergeben wurden ...
vergangenes Jahr nun die Übernahme von
Alpe Adria vom Stoiber-Spezi Jörg Haider.
Nicht verwechseln mit der Bayerischen Landesbank (BayernLB) darf man die Bayerische Staatsbank (s. Foto der ehemaligen
Filiale in Erlangen), die Auf betreiben der CSU-Regierung von der Bayerischen Vereinsbank aufgekauft werden musste. Mann
muss es einmal ganz deutlich sagen: In Bayern haben Banken in Staatsbesitz Tradition. Diese Institute agierten äußerst
erfolgreich und waren nicht unwesentlich am Boom der Gründerzeit beteiligt. Zu echten Skandalen kam es erst nachdem
die CSU nach ungefähr 10 Jahren Alleinregierung diese Banken faktisch als Verfügungsmasse betrachtete. Der Niedergang
der Banken im Bayerischen Staatsbesitz und deren Skandale sind keine Bankenskandale, sie sind Skandale der CSU.
Samstag, 18. Oktober 2008
Liebe Wähler in Bayern, kennt ihr Hypo Group Alpe Adria? Was, der Name sagt nicht? Sollte es aber, denn Euch gehört
diese Bank, also nicht direkt, aber über die Bayerische Landesbank dann irgendwie schon. In einer Pressemitteilung der
BayernLB vom 10.10.2008 steht zu lesen ...
Die BayernLB hat seit dem Signing am 22. Mai 2007 in einer kurzen Frist die Zustimmung der zuständigen
Behörden (Bankaufsichtsbehörden, Kartellbehörden, EU-Kommission) zum Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der Hypo
Group Alpe Adria (HGAA) erhalten. Nach Abschluss aller im Kaufvertrag vereinbarter Schritte zum Erwerb der Mehrheit an
der HGAA wurde heute das so genannte Closing vollzogen. Die BayernLB hat nunmehr 50 Prozent plus eine Aktie der Hypo
Alpe-Adria- Bank International AG erworben. Der Kaufpreis der Transaktion beträgt 1,625 Mrd. Euro.
... und in der gleichen Pressemitteilung steht der stolze und bedeutungsvolle Satz ...
Mit der Mehrheitsbeteiligung an der HGAA wird die BayernLB-Gruppe als einzige deutsche Bank
flächendeckend in Ost- und Südosteuropa vertreten sein.
Ganz prima. Osteuropa fliegt gerade der ganze Laden um die Ohren. Immobilienblasen, die von ihr wisst schon ganz
kräftig finanziert wurde. Ungarn
ist gerade dabei über die Wupper zu gehen, freistaatlich finanziert.
Das Fatale daran ist, dass die ungarische Immobilienblase über Kredite u.a. aus der Schweiz beschafft wurden. Es wurde
im Prinzip Geld zu günstigen Konditionen in der Schweiz geliehen und dann zu einem deutlich höheren Zinsatz in Forint
nach Ungarn weiter gereicht. Verdammtes Pech wenn jetzt nicht nur die Hypothekenfinanzierungen in Ungarn platzen,
sondern auch noch der Wechselkurs von Forint nach Franken so verdammt mies aussieht.
Damit sich der Bayer auch gleich bei den zuständigen Überwachern der Alpe Adria Banker bedanken kann, hier namentlich
die geballte Kompetenz des Aufsichtsrates:
Mit dem Einstieg der BayernLB als Mehrheitseigentümer erfolgen auch im Aufsichtsrat der Hypo Group Alpe
Adria Veränderungen. Der Vorstandsvorsitzende der BayernLB, Werner Schmidt, wird den Vorsitz im neuen Aufsichtsrat
übernehmen. Erster stellvertretender Vorsitzender ist Herr Dr. Othmar Ederer, Vorstandsvorsitzender der Grazer
Wechselseitigen Versicherung AG, zweiter stellvertretender Vorsitzender, Herr Dr. Hans-Jörg Megymorez, Vorstand der
Kärntner Landesholding. Herr Dr. Siegfried Naser, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern und
Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB, Herr Prof. Dr. Kurt Faltlhauser, Bayerischer Staatsminister der
Finanzen und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB, Herr Dr. Rudolf Hanisch, stv.
Vorstandsvorsitzender der BayernLB, Herr Dr. Siegfried Grigg, stv. Vorstandsvorsitzender der Grazer Wechselseitigen
Versicherung AG und ehemals Interims- Vorstandsvorsitzender der Hypo Group Alpe Adria sowie Herr Mag. Gert Xander,
Vorstand der Kärntner Landesholding, wurden ebenfalls in den Aufsichtsrat berufen.
Dem lieben Herrn Faltlhauser, auch wenn er nicht mehr lange im Amt ist, möchte ich ein besonderes Vergelt's Gott für
sein schier unbezahlbares Engagement aussprechen.
Samstag, 4. Oktober 2008
Ich drucke jetzt einfach mal den gelöschten Handelsblatt-Post von Harald Uhlig
ab:
Wenn Sie ein größeres Konto bei der Commerzbank oder der von ihr geschluckten Dresdner Bank oder UBS oder
Fortis haben, so sollten Sie froh sein. Denn noch kцnnen sie dort ihr Geld abheben: in aller Ruhe und ohne Schlange zu
stehen. Die Einleger scheinen nдmlich Nerven aus Stahl zu haben, und das ist gut so. Bisher ist ein bank run auf
diese Institutionen ausgeblieben, und dabei kцnnte es auch bleiben.
Dabei stehen die Zeichen schon lange an der Wand. Die Dresdner Bank hat sich mit ihrem K2 Fond verspekuliert, und war
schon lange das Sorgenkind der Allianz. Die Chinesen wollten die Dresdner nicht: nun hat die Commerzbank sie
geschluckt. Mittelfristig sicher eine gute Idee – man kann im gemeinsamen Filialgeschдft viel sparen – aber
kurzfristig ist das ein schwer verdaulicher Brocken, und die Risiken sind da. Die Aktie der Commerzbank hat seit Juli
2007 fast 60 Prozent verloren – so berichtete die FAZ am Samstag. Ich denke, der Aktienmarkt weiЯ schon warum. Und
sollte es einen run auf die Commerzbank geben, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Einlagensicherung des
Bankenverbandes der Privatbanken ist nach dem Lehmann-Untergang so gut wie pleite. Bei einem run auf die Commerzbank
(oder einer anderen, grцЯeren Bank) ist da fast nichts mehr zu holen, wenn nicht von irgendwem nachgelegt wird. Die
Einlagen wдren dann futsch oder zumindest lange eingefroren. Alle Augen wдren dann auf Steinbrьck gerichtet – denn
im Gegensatz zur Situation in den USA und England ist die Deutsche Bundesbank nicht “lender of last resort”.
Steinbrьck wird dann aber sowieso schon alle Hдnde voll zu tun haben, die EU-vorgeschriebene Einlagensicherung bis 20
000 Euro zu bedienen. Und hat sich wehement gegen дhnliche bailout-Plдne wie in den USA gewehrt. Seine einzige
Beruhigung der Einleger bisher war, daЯ das deutsche Bankensystem eben stabiler sei als das amerikanische. Finger
ьber Kreuz halten, also. AuЯerdem: kann ein sozialdemokratischer Finanzminister wirklich die reicheren Einleger aus
der Patsche holen? Gute Frage. Wollen Sie darauf wetten?
UBS hat seit Juli 2007 fast 70 Prozent am Aktienmarkt verloren, Fortis fast 80 Prozent. Sie haben schon lange Probleme.
UBS ist in der Schweiz und Fortis in Belgien. Es sind groЯe Banken in kleinen Lдndern. Genauer: zu groЯ. Sollte es
bei diesen Institutionen zu einem Krach kommen, ist nicht einmal klar, daЯ die Finanzminister dieser Lдnder das
Problem lцsen kцnnten, selbst wenn sie wollten. Fьr Fortis mьsste dann eigentlich eine europдische Lцsung her –
aber die gibt es nicht. In einem CEPR Report, “Monitoring the European Central Bank”, den ich 1998 mit verfasst
habe, haben wir bereits damals das schwere Problem der rein nationalstaatlichen Bankenaufsicht und das Fehlen eines
zentralen “lenders of last resort” in dem europдischen Wдhrungsraum herausgestrichen. Viele andere haben es
ebenfalls und seitdem immer wieder getan. Passiert ist seitdem zu wenig. Bundesbank Weber drдngt zwar auf mehr
Fortschritte auch hier, aber Steinbrьck mauert. Also: geht Fortis den Bach runter, dann kann man nur noch freundlich
lдchelnd hinterher winken.
Vielleicht kцnnen Kenner der Szene in Kommentaren zu diesem Blog schreiben, wie es beispielsweise mit den
Ausfallsrisiken und ihren Marktpreisen per credit default swaps steht: das wдre – neben dem Aktienpreis –
sicherlich ein wichtiger Indikator. Zumal bei den Aktienpreisen wohl noch ein Stьck weit Optimismus eingebaut ist,
daЯ der amerikanische Rettungsplan auch diese Banken wieder aus dem Sumpf holt. Und wenn Sie schon dabei sind: welche
anderen deutschen Banken wackeln derzeit noch? Wer traut sich, es auszusprechen? Wдre doch gut, wenn dieser Blog ein
wenig mehr Licht in diese Situation hineinbringen kцnnte.
Glьcklicherweise sind europдische Einleger offenbar meistenteils noch der Ansicht, die Finanzkrise ist ein reines US
Problem, und ihre Einlagen in Europa sind sicher. Nerven aus Stahl: bewundernswert! Es ist sehr gut mцglich –
vielleicht sogar wahrscheinlich - daЯ die Commerzbank, die Dresdner Bank, Fortis und UBS diese Krisenzeiten unbeschadet
durchstehen.
Also: vielleicht ist alles in Ordnung. Wenn Sie bei diesen Institutionen ein grцЯeres Konto haben und darauf wetten
wollen: nur zu. Ihre Gelder abzuheben und in etliche kleinere und vor allem sichere Konten umzuverteilen, oder andere
Anlageformen zu suchen, ist ja auch irgendwie lдstig. Kann ich gut verstehen. Oder aber Sie machen sich doch die
Mьhe und heben sicherheitshalber noch ab, bevor vielleicht zu viele andere auf die Idee kommen. Es ist Ihr Geld: Sie
kцnnen damit machen, was Sie wollen. Noch.
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Lesermeinung
Sa, 19.11.2011 17:48
Hallo Matthias bin grad per zufall über dein bild gestolp ert weil ich auf der suche nac h bildern vom zwangsarbe [...]
Fr, 07.10.2011 03:27
Hallo Siegfried, ich schicke e s Dir zu.
Mo, 03.10.2011 12:16
Hallo Matthias, als ehemalige r Schüler des GMG habe ich bei der Vilslaus mitgearbeitet. I ch bin mir jedoch nicht [...]
Fr, 23.09.2011 09:25
Nach Lektüre der Artikel Ihrer Herren deckers und Bahners zu m Thema Kirche habe ich für m ich beschlossen, Ihre Ze [...]
Mi, 03.08.2011 19:43
Hallo, irgendwie erinnert mich das an die letzte Woche, wo i ch auch mal meine Ablage, Schr eibtisch und Regal aufge [...]
Di, 05.07.2011 19:58
Freischwimmer auf der Autobahn !